Werdegang Reto Kern

Reto von 0-14 Jahren

In Müllheim TG aufgewachsen, machte er in der Jugi die ersten sportlichen Erfahrungen. Mit der Jugi Müllheim wurde Reto Thurgauer Jägerballmeister ;-) Schon damals zeigte sich sein sportlicher Ehrgeiz – eine spezielle Förderung gab es aber nicht. Reto war auch begeisterter Pfader. Unter dem Pfadinamen v/o Pfiil wurde er Venner des Fähnli Rana und arbeitete eine kurze Zeit als Rover in der Abteilung Feuerpfeil. Gleichzeitig spielte er in der Jugendmusik von Müllheim Zugposaune. Das musikalische Talent wollte sich aber nicht so zeigen und nach drei Jahren war es vorbei mit der Musikkarriere.

 

Reto 14- 17 Jahre

Während der Oberstufe war er wenig motiviert, sich irgendwo zu engagieren. Die Lehre als Schreiner hingegen machte ihm viel Spass. Mit einem Mitschüler in der Berufsschule kam er ins Gespräch über Bruce Lee, Kampfsport und Karate. Gleichzeitig machte sein Vater Druck, dass er etwas Sinnvolles mit seiner Freizeit anfangen solle. Da kam der Einführungskurs der Karateschule Weinfelden gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Mit 17 Jahren, der Einstieg ins Karate

1987 begann Reto Kern unter der Leitung von Roberto Danubio mit Karate. Für Reto war es „Liebe auf den ersten Blick“. Sein Karate-Lehrer bemerkte schnell Retos Talent und Ehrgeiz und förderte ihn stark in der Kihon und Kata. Seine Karateleidenschaft sorgte aber auch für leisen oder lauteren Spott, z.B. bei seinen Mitarbeitern. Es war nicht immer einfach damit umzugehen, aber es spornte Reto umso mehr an, es „ihnen zu zeigen“. Als Reto Blaugurt war, schickte Roberto ihn an sein erstes Turnier um Erfahrungen zu sammeln. Reto wollte in der Kata starten, vom Kumite wollte er vorerst nichts wissen. Er fühlte sich beim Kämpfen unsicher und hatte grossen Respekt davor. Für das zweite Turnier überredete Roberto Reto auch fürs Kumite. Reto verlor zwar in der zweiten Runde und kassierte auch einige Kontakte. Trotzdem bekam er Lust aufs Kämpfen.
Von da an ging es rasant vorwärts. Reto trainierte zwei bis drei Mal pro Woche in Weinfelden Karate, machte dazu zwei Mal Krafttraining in Frauenfeld und übte jeden Abend zu Hause in seinem Zimmer. In den ersten zwei Jahren, bis er selber autofahren konnte, fuhr er meistens mit dem Fahrrad nach Weinfelden. Das waren jede Woche 40 km. Nachher nur noch bei schönem Wetter und wenn er das Bedürfnis nach einem Zusatztraining hatte.
Im Frühjahr 1989 organisierte Sandro Danubio einen Zusammenzug der Wado Karatekas in der Ostschweiz. Sie trainierten jeden Freitagabend Ausdauer und einmal im Monat an einem Samstag in Mörschwil oder Rorschach Kumite. Das gemeinsame Ziel war klar: Der Sieg mit dem Team an der Junioren-Schweizermeisterschaft SKV (Schweiz. Karateverband, heute Swiss Karate Federation, SKF) in Zofingen. Das Team schaffte es nicht, aber Reto wurde nach zweieinhalb Jahren Training SKV Juniorenschweizermeister. Jetzt ging es erst recht vorwärts.

Reto mit 20 Jahren

Er wurde in die Junioren-Nationalmannschaft aufgenommen und nahm 1990 an der Junioren EM in Hannover teil, dafür musste er seine praktische Lehrabschlussprüfung vorverschieben. Reto machte alles fürs Karate, trainierte mehr als andere und war verbissen erfolgreich zu sein. Er wollte den Leuten beweisen, dass er etwas kann.
1990 musste Reto in die Rekrutenschule einrücken. Als Minenwerferkanonier in Urnäsch konnte er im Ausgang einmal in der Woche nach St. Gallen ins Training gehen. Er trainierte auf den Wado-Europacup in Götheborg im September. Dort wurde er zweimal Zweiter im Open und Einzel.
Im Frühling 1991 nahm er an der Junioren EM in Glasgow teil. Danach rückte er in die Unteroffiziersschule ein. Auch hier drückte sein Ehrgeiz durch – und seine Patrouille absolvierte den 50 km Marsch am schnellsten. Während des Abverdienens ging es an den Wado-EC nach Amsterdam wo Reto einmal Gold im Open und einmal Silber im Einzel nach Hause brachte. Reto war der erste Schweizer Wado-Kämpfer, der an einem Wado-EC Gold gewann.
Wenn er nicht im Militär war und als Schreiner arbeitete, machte Reto einen Teil seines Ausdauertrainings über Mittag. Das hiess am Mittag als erstes umziehen, dann 2.5 km rennen, 15 Minuten um Zmittag zu essen und danach schon wieder zur Arbeit fahren. Nach der Arbeit trainierte er Karate oder machte Krafttraining. Am Wochenende folgte meistens ein 10km Jogging für die Grundausdauer. So trainierte Reto viel und konnte auch einige Erfolge verbuchen, aber der Übergang von den Junioren zu den Elite-Kämpfern verlief holprig. Reto gewann an nationalen Titelkämpfen eine Weile lang keine Medaillen mehr. So kam es 1992, dass Reto nach einer verpatzten Elite SM nicht in die Nationalmannschaft konnte. Dafür kehrte er der Schweiz und dem Karate für acht Monate den Rücken zu. Er brauchte Abstand und wollte Englisch lernen, damit er sich an den internationalen Turnieren besser verständigen konnte.

Reto geht nach Australien und Neuseeland

Während fünf Monaten in Australien und drei Monaten in Neuseeland machte er viele Fallschirmsprünge, probierte Bungeejumping aus, reiste viel und arbeitete gelegentlich als Schreiner.
Zwei Wochen nach seiner Rückkehr im Mai 1993 lernte er im Live in Weinfelden seine heutige Frau Mette Baumgartner kennen und startete mit der Offiziersschule. Dort entfachte sich der sportliche Ehrgeiz wieder und Reto gewann mit seiner Patrouille alle Wettkämpfe inklusive als Highlight den 100 km Marsch.

Zurück im Karate mit 24 Jahren

Das Jahr 1994 war ein Jahr voller Hochs und Tiefs. Sein geheimer Wunsch war eine Medaille am Wado-Weltcup 1994 in Tokio. Zusammen mit seinem Freund Daniel Diethelm trainierte Reto von Frühling 1994 bis zum Wado-Weltcup im August 1994 als Profi. Er genoss es, seine Zeit voll ins Training investieren zu können, aber es war auch eine harte Zeit. Reto gewann im Frühsommer den Fujimura Cup, erhielt darauf hin sein erstes Aufgebot für die Elite Nationalmannschaft und konnte am Wado Weltcup teilnehmen. Er verlor aber in der dritten Runde und konnte seinen Traum einer Medaille nicht erfüllen. Kurz darauf erhielt er dafür das Angebot der Sektion SKR für eine Teilnahme am Shotokan-Europacup in Spala, Polen, im Team. Das Team, bestehend Sandro Petrillo, Patrick Sprecher, Pierre Ammann, Roger Gestach, Daniel Lopez und Reto Kern gewann den Shotokan-Europameister Titel. Es war das erste Mal, dass ein Schweizer Shotokan Team den Europa-Cup gewann. Zurück aus Spala nahm Reto mit der Nati in Malaysia an seiner ersten Elite WM teil. Als Newcomer am WKF risikierte Reto alles und erreichte den tollen siebten Platz in der Kategorie +80kg. Er bekam jedoch zu spüren, dass er mit seinen 80.5 kg bei weitem der leichteste und einer der kleineren Kämpfer war. Eine grosse Motivation für ihn war, dass er im Team gegen Frankreich als Startkämpfer gegen den Ex-Weltmeister Marc Pyrée (Mexiko, 1990) 6:3 gewann.

Die Erfolge an der EM in Helsinki und Paris

1995 wurde Reto als erster Kämpfer der Sektion SWKO zum Captain der Nationalmannschaft gewählt. Einen grossen Erfolg konnte er mit 25 Jahren feiern: Den dritten Platz in der Kategorie +80 kg an der Europameisterschaft in Helsinki. Unter den drei besten Kämpfern im Schwergewicht in Europa zu sein machte ihn sehr stolz.
1996 trainierte Reto einen Monat lang zusammen mit Michael Baumann in Paris unter der Leitung des ehemaligen Frauennationaltrainers Serge Chouraqui in dessen Klub SIK (Sporting International Karate). Das harte Training mit anderen Top-Kämpfern zahlte sich aus: Reto wurde zum ersten Mal und gleich in zwei Kategorien Elite-Schweizermeister. Er gewann in den Kategorien +75 kg und Open. Kurz daruf erkämpfte er sich noch einmal die Bronzemedaille an der EM in Paris. Die Halle Sale de Paule Qubertain wurde seine Lieblingshalle, denn kurz vor der EM gewann er in der gleichen Halle an der nordfranzösischen Meisterschaft mit dem französichen Klub SIK mit dem Team die Silbermedaille und wurde im Einzel „Nordfranzösicher Meister“. An der WM in Südafrika erreichte Reto nur die zweite Runde und konnte sich leider gegenüber 1994 nicht verbessern.
Im Herbst gewann er zum zweitenmal den Wado Europacup, diesmal in Budapest. Das war ein kleiner Trost für die misslungene WM.
Reto gewann die darauf folgenden Turniere in der Schweiz und wurde nochmals Doppelschweizermeister. 1997 und 1998 gewann er nochmals je einen Vizeschweizermeistertitel. 1997 hätte eigentlich ein tolles Jahr werden sollen, denn der Wado-Kai Europa-Cup wurde in St. Gallen durchgeführt und Reto hatte sich professionell darauf vorbereitet. Aber er ging in der ersten Runde durch einen (unfairen) KO-Schlag zu Boden und konnte nicht mehr weiterkämpfen. Dieser Tag und das frühe Ausscheiden am WC in Tokio waren die schwersten Momente in seiner Karatelaufbahn.
1998 begann Reto mit der Ausbildung zum Technischen Sachbearbeiter und fuhr jeden Dienstag mit dem Zug nach Biel ins Nationaltraining. Er bereitet sich auf die WM in Rio de Janeiro in Brasilien vor. Diesmal erreichte er die vierte Runde und verlor gegen einen Franzosen, der den Kampf um den Einzug ins Finale verlor. Reto konnte also auch nicht in der Trostrunde kämpfen.
Kurz nachdem er von Rio nach Hause kam, entdeckte er zufälligerweise in der Schreinerei Brändli einen Raum, in dem er sich sofort sein eigenes Dojo vorstellen konnte. 1999 schloss er seine Weiterbildung zum Technischen Sachbearbeiter ab und eröffnete im Mai seine eigene Karateschule. Zum Schluss seiner Wettkampflaufbahn wollt er es nochmlas wissen und bereitet sich erneut auf den Wado-Kai Welt-Cup in Tokio vor.

3. Platz am Welt-Cup

1999 erfolgte der Abschluss auf dem internationalen Parkett. Reto erkämpfte sich den 3. Platz am Wado-Kai Weltcup in Tokio und verabschiedete sich damit von der internationalen Bühne.
Am 21. August 2004 heiratete er seine langjährige Partnerin Mette Baumgartner und am 19. April 2007 kam sein Sohn Torben zur Welt.

 

Weiter im Text Entstehung des Karatecenters.

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